Hausbesuche

Tulpen in Hamburg

Ein Geständnis vorab: Wenn man so lange wie ich in der Renovierungswelt abgetaucht war, dann braucht es offensichtlich eine Weile, bis es wieder rund läuft mit dem Bloggen. Zumindest bei mir im Mathilde MAG ist das so. Aber es wird, wir kommen da schon wieder hin.

Jedenfalls habe ich angefangen wieder vermehrt in diesem Internet zu lesen. Noch nicht ganz schreiben aber schon mal ein Anfang. Und dabei habe ich eine kleine Blogperle entdeckt: die Hausbesuche der Stephanie Quitterer.

Vor fünf Jahren, als sie gerade Mutter geworden war, ist sie in äh auf (?) den Prenzlauer Berg gezogen. Aus dem Gefühl ein Feindbild für viele geworden zu sein, hat sie für sich einen Auftrag geschaffen: 200 Tage wollte sie sich mit Kaffee und Kuchen bei wildfremden Leuten in der Nachbarschaft einladen.

Hausbesuche in Berlin

Täglich, naja mehr oder weniger (manchmal gab es was Gekauftes, selten fiel ein Tag aus) hat sie Käse-, Mamor und sonstige Kuchen gebacken, mit wechselndem Erfolg, wie sie kritisch anmerkt. Baby und Freund blieben allein zu Hause und ist mit einem Korb mit Kaffeegeschirr bewaffnet durch ihr Viertel gezogen, hat geklingelt wie ein Vertreter, sich abwimmeln und/ oder auf später vertrösten lassen. Manchmal, wenn es gar nicht anders ging, war das Baby auch dabei. Hach, ich weiß nicht ob ich mich das getraut hätte. Stephanies Neugier auf die Leute war jedenfalls größer als ihr Schiss. Und das hat sich gelohnt, würde ich als entspannter Leser im fernen Hamburg sagen*. Jedenfalls lernt sie nette, lustige, unterhaltsame, manchmal komische Leute kennen. Peter und Okka, die mit Baby in der Nachbarschaft wohnen oder Aleksandra aus Belgrad, die die pinke Wohnung einer Freundin einhütet. Frau Qitterer sitzt auf Sofalandschaften, vor Kohleöfen, in Designerküchen, vor Flohmarkt-Geschirr, ach, es kommt das ganze Leben vor. Ich habe bis bisher 38 Kaffeebesuche lesend verfolgt und freue mich wie bei einem guten Buch, das noch so viele übrig sind.** Wie schön, dass es dieses Internet mit all seinen kreativen Leuten gibt, die sich ganz von allein spannende Sachen ausdenken.

  • * Ich musste mich ja auch nicht mit zugigen Hausfluren herumschlagen und Leuten, die mich wie einen lästigen Staubsauger-Vertreter behandeln.
    ** Frau Quitterers Hausbesuche gibt es jetzt sogar als Buch. Ich glaube, das werde ich wohl noch lesen.
  • Die Hausbesuche habe ich übrigens bei Slomo gefunden.

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