Grenzfall

Copyright: U. Mathilde Am mmermann

Grenzfall, yay! Es war die ultimative Überraschungsparty damals. Normalerweise weiß bei so einer Party ja bloß der Gastgeber nicht Bescheid. Damals im November hatten wir alle keinen blassen Schimmer, Gastgeber, Gäste, Passanten, so genau war das gar nicht auseinander zu halten, niemand hatte eine Vorahnung. Es ist einfach passiert. Günther Schabowski versprach sich ein bisschen in dieser Pressekonferenz. Nicht, dass ich das mitbekommen hätte, ich lag im Bett, am nächsten Tag war schließlich Schule, alles ganz normal.

Alles ganz normal, hä? Nix war normal, schon am frühen Morgen lief bei uns zuhause der Fernseher in Dauerschleife. Und in der Stadt erst, überall parkten Trabbis. Die Thüringer waren früher aufgestanden als ich. Diese Stimmung, es war überwältigend. Die Leute liefen neugierig durch unser kleines Städtchen, sahen sich um, kauften West-Produkte. Schnell hatten die Eschweger ein Frühstücksbuffet eigerichtet, luden Gäste zu sich nach Hause ein. Es war toll. Habe ich das schon gesagt? War es wirklich. Bald machten wir es ihnen nach und besuchten die thüringischen Dörfer auf der anderen Seite des dreiteiligen Zauns. Jede neue Öffnung eines Stücks Grenze ein Dorffest mit der Feuerwehrkapelle, Ahle Worscht-Broten, Bier und ziemlich viel guter Laune. Jeder Grenzfall ein neuer Sieg.
Damals dachte ich, Trabbis würden sich als neue günstige Autos für Studenten und andere durchsetzen. Die Trabbis haben sich nicht durchgesetzt. Trotzdem haben die Thüringer, Sachsen und Mecklenburger uns genauso geprägt wie wir sie.
Nur das mit den Trabbis ist ein bisschen schade.

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