Bastelmodus

Der Alltagsprinz ist im Bastelmodus. Dringend braucht er eine Latte vom Zaun. So ein leicht eckiges Holzdings, an dem er sein Plakat befestigen kann. Tapetenrest auf Karton. „Mind the Facts“ soll drauf stehen. Und auf der Rückseite: „Gap the Bridge“. Mir fällt nichts ähnlich Gutes ein. Vielleicht eine Botschaft auf deutsch. Es kommt mir immer so albern fröhlich herum zu d‘englischen. Also, verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Englisch ist eine feine Sache und möglichst alle sollten es sprechen. Man kann dann mit so viel mehr Menschen direkt kommunizieren. Aber wenn ich jetzt als Deutsche anderen Menschen in Deutschland was sagen will, kommt‘s mir ein bisschen doof vor, das auf englisch zu tun. Aber „Bedenke die Fakten“ hört sich eher an wie ein Krimi von Simon Becket, oder? Und um „Schulstreik“ auf ein Plakat zu schreiben bin ich ein paar Jahrzehnte zu alt. Jajaichweiß. Ich hab Sorgen. Denken Sie das bloß: Erste-Welt-Sorgen, Luxus-Sorgen – alles wahr. Wobei von Luxus kann man eigentlich nicht sprechen, wenn der Zeitraum, innerhalb dessen unsere Anpassung einigermaßen moderat ausfallen könnte, immer kürzer wird. Und die Zeit bis zum Klimastreik am Freitag auch.
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Sommervoll

Neulich abends beim Rudern ist mir das satte Licht zum ersten Mal aufgefallen, so sommervoll und satt. Die großen Ferien sind definitv zu Ende. Definitv solle ich nicht sagen, sagte die Dorothee früher manchmal. Definitv sei nur der Tod. Und da sind wir noch nicht. Neue Projekte können, nein müssen kommen. Weiterlesen

Dialog im Dunkeln

In Hamburg sind große Ferien. Das merkt man überall in der Stadt. Weniger Autos, dafür mehr Baustellen, weniger Kinder, dafür mehr Tretroller. Es ist diese Feiertagsstimmung, die mich als Freiberuflerin eigentlich nicht interessieren müsste. So wie sich der Tag der Arbeit oft anfühlt, mein Schreibtisch ist voll, eigentlich müsste ich … aber wenn alle gerade so still und chillig in der Gegend herum liegen, dann könnte ich doch … Weiterlesen

Rollenspiele

Die kommenden Stunden werde ich eine Frau sein, die ebenso blond wie handfest ist. Ihre Haare wellen sich in einem sanften Bob um den Kopf, den Kragen ihrer Feldbluse hat sie adrett hochgestellt. Dr. Helena Töpfer hat als Archäologin schon Ausgrabungen im Tal der Könige geleitet, auch wenn die Männer im Ausgrabungsteam ihre Erfolge gerne unter den Tisch ins Grab fallen lassen. Wir befinden uns schließlich in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Frauen mit Karrieren waren da noch nicht vorgesehen. Immer wieder Weiterlesen

Promenades

Mathild e! – Die mir befreundeten Franzosen sprechen meinen Vornamen mit einem kleinern hüpfenden e am Ende aus. Im Französischen ist ist das e am Ende eigentlich stumm, aber sie wissen natürlich, dass meine Eltern mich auf deutsch benannt haben, also geben sie sich dieses kleine bisschen Extra-Mühe. Ein fröhliches phonetisches Ausrufezeichen diese e, eigentlich klingt es mehr wie ein ganz kurzes ö. Einen ganzen wundervollen Tag lang laufe ich heute alleine durch Lyon. In meinem Kopf hüpft das e am Ende mit. Weiterlesen

Sommerzeit

Auf einmal ist schon Sommerzeit. Und ich bin Tage-, ach was red ich, Wochen-lang nicht zum Schreiben gekommen. Mathilde mag … nicht mehr? Quatsch, natürlich, es ist bloß zu viel los. Irgendein anderer Text musste zuletzt immer erst noch fertig werden, ein anderes Arbeitspapier, eine Naht genäht werden, eine Stadt besucht werden, eine andere auch noch. Ach es ist zum Haare raufen.

Sommer ist es zwar noch nicht ganz, die dazu gehörige Zeit aber ist schon mal umgestellt worden. Weiterlesen