Menschen im Café

Ich sitze im Café um endlich mal wieder über die Dinge, die Mathilde mag, zu schreiben. Gute Vorsätze umsetzen. So wenig wie im letzten Jahr will ich nie wieder ins Mathilde MAG schreiben. Ich fühle mich etwas Erich-Kästner’erisch. So weit so schön. Eventuell ist es ungünstig, dass ich etwa einhundert Jahre später lebe und es in den 2020er Jahren das Internet gibt, was in den 1920er Jahren noch niemand abgelenkt hat, die in einem Café schreiben wollte. Weiterlesen

Vom Anderswosein

Es gibt viele Gründe zu reisen. Gerade sitze ich im Zug von London, wo ich meine Lieblingsnichten (alle meine Nichten sind meine Lieblingsnichten, auch die Nichte, die nicht in London sondern im Münsterland wohnt) umarmt und mit ihnen Vornamen schreiben geübt habe, nach Cardiff, wo ich den Alltagsprinzen zu umarmen gedenke. Dazu, also um jetzt im Zug zu sitzen, habe ich gestern ein Flugzeug bestiegen, welches mich von Hamburg nach London flog. Ein anderes Flugzeug wird mich schon morgen von London wieder zurück nach Hamburg bringen. Verrückt, wenn man bedenkt, dass der Planet dringend weniger klimaschädliches Verhalten braucht, damit wir alle darauf überleben können. Das will ich, unbedingt. Und ich will meine Freunde und Familienmitglieder sehen. Der Alltagsprinz will weiter in seiner internationalen Firma arbeiten, die Riesen-Mikroskope für Universitäten und Firmen in aller Welt in Hamburg entwickelt und in Wales produziert. Ich will auch weiterhin in einer international vernetzten Welt arbeiten und leben. Ich mag das Gefühl mich auch woanders ein bisschen zu Hause zu fühlen. Von Zeit zu Zeit mag ich auch die Aufgergung, die dadurch entsteht, dass ich mich irgendwo kein bisschen zu Hause fühle, Weiterlesen

Festspiele in der Provinz

Eigentlich war er da, um die CD seiner Band zu promoten. Auf einem anderen Festival in der Schweiz hatten sie nämlich von diesem Festival in meiner Provinz gehört und waren spontan hingefahren. Bis zu ihrem Auftritt im Okober in Landshut – wir brauchten mehrere Anläufe um Landshut zu verstehen – hatten sie alle Zeit der Welt. Und einen Auftrag, irgendwie Geld zu verdienen fürs Leben, für Studiomieten und für alles Andere. Jetzt aber hatte Eric irgendwie Zeit und Lust uns zu erzählen, wie es in Estland so ist. Weiterlesen

Trainingsverpflichtung

Das Ruderboot hängt gar nicht bei uns im Club unter der Decke, sondern in einem schicken Laden in Cardiff, wo ich es neulich entdeckt habe und sofort ans Rudern zu Hause denken musste.

Bei uns im Ruderverein machen wir es so, dass die jungen Ruder:innen sich zu Beginn jeder neuen Saison feierlich verpflichten, regelmäßig und pünktlich zum Training zu kommen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu geben um so gut wie möglich zu rudern. Davon kann bei uns „fortgeschrittenen“ Ruder:innen natürlich keine Rede sein. Ich wollte erst mit lauter Dingen um die Ecke kommen, warum dieses „alles geben“ bei vollständig erwachsenen Menschen gar nicht geht, so Sachen wie Job, Alltagsprinz, Kinder, Freunde. Dann ist mir eingefallen, dass Jugendliche, die die Trainingsverpflichtung unterschreiben, auch nicht unendlich Zeit haben, die müssen neben dem Sport schließlich auch noch wichtige Sachen machen: Schule, Freundschaften und Familie. Vielleicht haben wir fortgeschrittenen Erwachsenen einfach nur nicht mehr diese Absolutheit im Kopf und im Herzen, oder mehr Faulheit und weniger sportliche Möglichkeiten im Körper. Egal. Jedenfalls habe ich meine private Rudergruppe zum Saisonbeginn eingeladen und wir haben bei leckerem Rotwein, nordhessischer Ahler Worscht und südtiroler Klößen einen prima Abend verbracht. Ob das zur Motivation in der Saison beiträgt, wird sich zeigen. Ich werde berichten. Weiterlesen

Ein ganzes halbes Jahr

Vor lauter Vorhaben ist mir mein „Mathilde mag …“ durch gerutscht. So recht weiß ich nicht, wie das passieren konnte. Aber ich stelle fest, passiert ist es dennoch. Das macht mich selbst im Nachhinein etwas unglücklich. Ein wenig lässt sich das dadurch erklären, dass ich ein Leben habe. Eines mit einem Alltagsprinzen, der manchmal mit mir reden möchte, ziemlich vielen beruflichen Aufgaben, irgendeine ist immer noch offen, egal wie gut ich meinen Schreibtisch aufräume. Abends wartet oft ein gedeckter Abendbrot-Tisch auf mich, eine Ruder-Verabredung, ein Freund, dem ich dringend texten oder eine Freundin mit der ich telefonieren möchte. Manchmal ist auch etwas mit dem Kind. Irgendwas ist jedenfalls immer. Mann und Kind kamen in meinem Leben noch nicht vor, als ich das Mathilde MAG gestartet habe, alles Andere eigentlich schon. Wie habe ich das bloß all die Jahre geschafft? Ich habe es vergessen. Im Übrigen stelle ich fest, dass es anderen Leuten, na gut: einer Anderen, durchaus so ähnlich geht mit der Vereinbarkeit von Leben und Bloggen. Okay, vielleicht nicht exakt so wie bei mir, jedenfalls nicht mit so Total-Ausfällen. Aber hinten rüber fällt die Bloggerei auch anderswo machmal.

Irgendwie werde ich die Zeit zum halb privaten Schreiben wiederfinden. Versprochen. Das gelobe ich mir selbst und allen Leser:innen. Vielleicht gelingt es mir sogar, meine Reise-Geschichte aus Georgien weiter zu führen. Die sollte schließlich mal einen zweiten und dritten Teil bekommen. Außerdem wird es in dem kleinen Land im Kaukasus politisch gerade wieder richtig spannend. Ein kleines Land, das schon 2008 von Russland überfallen wurde. Im politischen Westen fühlten wir uns davon nicht direkt bedroht. So dauerte das Ganze nur fünf Tage und seither sind 20 Prozent Georgiens von Russland besetzt. Woher ich das weiß? Es stand dort letztes Jahr an (gefühlt) jeder zweiten Hauswand. Wir haben sogar T-Shirt mit der Aussage mitgebracht. Dazu bei Gelegenheit mehr. (Ich sollte wirklich einen zweiten Teil zu Georgien schreiben.) Im Angesicht des russischen Angriff-Krieges gegen die Ukraine und der vielen russischen Urlauber und zum Teil auch Flüchtlinge im Land werden die Proteste wieder lauter. Weiterlesen

Runen und Ruinen

Kühe, immer wieder Kühe. Wohlgenährte Kühe, tiefen-entspannte Kühe, Kühe, die mitten auf der Bundesstraße chillen, das ist fast das erste, was mir in Georgien auffällt, kaum haben wir Tblissi in Richtung Westen verlassen. Tiflis sagen wir jetzt natürlich nicht mehr, das ist entschieden unterhalb unserer Würde als informierte Reisende.

Noch abends, als wir angekommen waren, flirrte die Luft vor Hitze, lauter unverständliche Gespräche um uns herum. Weiterlesen

Slow Publishing

Genau, das ist es, was ich neuerdings mache: Slow Publishing. Wie gut, dass ich das Wort bei Herrn Buddenbohm gelernt habe. Slow Publishing funktioniert so ähnlich wie Slow Opening, was manche Café und Bars machen. Das ist, wenn man noch nicht richtig öffnen will, weil einem dazu die Mittel (Mitarbeiter, Baumaterial, Geld, Zeit) fehlen, man eigentlich aber doch öffnen will, weil man ja gerne wüsste, wie die Anderen das eigene Angebot so finden. Slow Publishing funktioniert in meinem Fall ganz ähnlich. Ich möchte gerne veröffentlich, weil ich Dinge zu erzählen habe und natürlich wissen möchte, wie die Anderen das Eigene so finden, aber ich komme einfach nicht dazu. Nicht oft jedenfalls. Weil, ja eben weil. Weil mir die Zeit und die Muße fehlen, sich zu viele andere berufliche Projekte in den Vordergrund drängeln. Ach, … Man muss es einfach machen, das Publishing und wenn es slow ist, dann ist es das eben. So.

Was wollte ich noch erzählen? Wir haben seit einiger Zeit Gäste. Nasti*, Sergey* und Olga* kommen aus der Ukraine, ihre Heimatstadt wird gerade von russischen Bomben in Schutt und Asche gelegt. Weiterlesen

Krieg und Frieden

Keine Zeit, nirgends. Das stimmt nicht ganz, Zeit wäre schon da. Zumindest diese Woche, allein, die Ruhe fehlt irgendwie. Es ist wieder Krieg in Europa und wir machen trotzdem weiter mit dem Alltag.

Ferien und Frust

In den vergangenen Ferien waren wir in Südtirol zum Skifahren. Wir haben uns mit den bezaubernden Nichten und Teilen der Familie getroffen. Zweieinhalb-Jährige wissen noch nichts vom Krieg. Vom Schlittenfahren auch nicht, zumindest bei letzterem konnten wir weiter helfen. Die beiden englisch-deutschen Mädels haben die aller-bezauberndste Art das deutsche Wörtchen „doch“ auszusprechen mit einem weichen deutschen Anfang und einem britischem „th“ am Ende. Nicht nur deswegen: Rodeln hat Spaß gemacht. Skifahren auch. Wir hatten fantastisches Wetter, die ganze Woche Sonnenschein und dank der Schneekanonen, die nachts stets zuverlässig nacharbeiteten, genauso fantastischen Schnee unter den Skiern. Gleichzeitig findet da draußen ein brutaler Vernichtungskrieg statt. Es macht mich fertig. Diese Gleichzeitigkeit von eigener Normalität und diesem Total-Ausfall derselben. Immer wieder musste ich im Handy nachlesen, was zuletzt in der Ukraine passiert war. Frust, Frust, Frust und dann wieder Sonnenschein.
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Allerlei

Das Jahr ist nicht mehr ganz jung, was eigentlich ganz gut zu mir passt. Ich bin das auch nicht mehr. Und bekomme ähnlich wenig organisiert. Irgendwie läuft das Jahr so vor und ich hetze hinterher. Egal, dann ist das jetzt eben erst einmal so. Ich feiere die Sachen, die laufen und bei den Anderen tue ich einfach, als müsste das so. Was? Schon Februar? Jetzt erst die erste Post des neuen Jahres, egal, das gehört zufällig so. Was wollte ich denn eigentlich gerade? Ach ja…
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Ein Spitzen–Wochenende

So langsam habe ich es raus wie Freizeit in Zeiten der Cholera, pardon der Corona, gut geht. Am dritten Advent-Wochenende hatten wir freitags Freunde zum Abendessen, samstags waren wir im Hamam und sonntags hatte ein Freund zum Glühgrillen, Glühwein und Bratwürsten, in seinen Garten eingeladen. Alles in allem ein Spitzen-Wochenende, wie es selten gelingt. Die richtige Mischung aus Freunde treffen, gute Gespräche, ausschlafen, entspannen von der sozialen Interaktion, und sich dann noch mal ein bisschen unter die Leute mischen. Aber lassen Sie mich ein wenig weiter vorne anfangen. Denn nach knapp zwei Jahren mit der Pandemie, einem schönen Esszimmer mit angrenzendem Wohnzimmer, habe ich ein gutes Gefühl für die beste Party im kleinen Kreis. Gelegentlich ist das hier ja ein Serviceblog. Deshalb: So geht das Weiterlesen