Verordnete Vereinzelung

… und ein Tanzbeschluss. Im Moment fühlt sich die Vereinzelung überwiegend fröhlich an. Auch in normalen Zeiten arbeite ich tageweise im Heimbüro. Eine Zeitlang war ich sogar vollständig freiberuflich schaffend tätig. Ich kenne die Phasen der behaupteten Professionalität, der Verschlumpfung und der Rückeroberung der eigenen Würde aus früheren Lebensphasen. Nur, jetzt machen es irgendwie alle, der Alltagsprinz, das Kind, ich, meine Geschwister, alle Kolleginnen und Kollegen. Ein wenig seltsam fühlt sich das durchaus an. Vor allem für‘s Kind. Ich kenne das alles ja schon ein wenig länger. Weiterlesen

Ich bin wieder da

Zurück aus Norditalien. Wir waren Ski fahren in Südtirol. Und es war wunderschön. Die Sonne hat geschienen, fast immer, zumindest fühlt es sich in meiner Erinnerung so an. Gut, der Alltagsprinz behauptet Anderes. Es habe auch mal genebelt und sogar geschneit, sagt er. Die Pisten waren überwiegend leer, die Lifte auch. Wollte doch mal jemand mit uns den Sechser-Sessellift teilen, war ich fast ein bisschen beleidigt. „Hallo?! Privatsphäre.“ Natürlich bin ich in Wirklichkeit ganz anders, vor allem viel netter. Ganz besonders im Urlaub war ich nett und verständnissvoll. Als ich mit bekommen habe, dass so viele Gäste wegen des Corona-Virus nicht da sind, habe ich extra viel konsumiert. Die Hoteliers und alle, die vom Tourismus leben, taten mir ausführlich leid-. Es war halt nur so, Weiterlesen

Keine Zeit

Keine Zeit, nie. Keine Zeit. Alles, was ich im Moment so tue, ist für sich gut und richtig. Alles zusammen ist zu viel und kein bisschen mehr richtig. Es ist, nur um mal mit einem Beispiel anzufangen, richtig schön, Freunde zum Abendessen da zu haben. Schon deshalb weil wir in der neuen Wohnung so ein prima Esszimmer haben, wo wir den alten Tisch in die Mitte des Raumes schieben können. Da steht er dann vor dem weißen Bücherregal, wir haben was Leckeres zu essen (Letztens haben wir einfach einen großen Käse geschmolzen, ein paar Salate und Beilagen dazu, fertig.) drauf gestellt, ein paar Flaschen Wein besorgt und munter drauf los geplaudert. Richtig toll war das. Weiterlesen

Wieder mehr Wohnen

Es gibt jetzt wieder dieses einmalig kühle Frische morgens auf dem Fahrrad, den leicht modrigen Geruch von bunten Blättern, die lange in einer Pfütze gelegen haben. Der Wald sieht dunkelgrün satt aus, mit ein paar dunkelbunten Tupfern rechts und links. Habe ich mir vorletzte Woche entlang der Werra und der Weser für Sie angeguckt. Sehr schön so ein verregneter deutscher Wald. Im Alltag muss ich mit weniger anheimelnden Farben vorlieb nehmen. Vor meinem Schreibtisch blinkt neuerdings ein gelber Schriftzug auf blauem Grund: Polizei. Der große Baum in der Mitte des Platzes ergelbt.
Ich bekomme davon umgehend Lust, heißen Tee zu kochen, die Kaschmirdecke aus dem Schrank zu holen und ein, zwei Bücher zu lesen. Und Kerzen, natürlich brauche ich jetzt wieder gemütliches Kerzenlicht. Besonders wenn Hamburg alle möglichen Schattierungen von Grau ausprobiert, müssen ein, zwei kleine Lichter leuchten. Weiterlesen

Flüchtlinge von Einst

Die Hochzeit

Alles fängt mit einer großen prächtigen Hochzeit in Paris an. Heute würden bei einem solchen Event hunderte Beauty Bloggerinnen aus aller Welt zugegen sein. Welches Kleid trägt Katharina von Medici, die Mutter des Königs? Gibt sie einem italienischen Designer den Vorzug oder entscheidet sie sich für eine Reverenz an ihre franzöische Wahl-Heimat? Finden sich im Hochzeitskleid ihrer Tochter Margarete von Valois Andeutungen an den protestantischen Glauben des Bräutigams? Und erst der Bräutigam Heinrich von Navarra. Wann trifft er in der Hauptstadt ein? Wieviele Trauzeugen und andere beste Freunde bringt er mit? Die Klatschreporter würden um die besten O-Töne feilschen. Sicherlich wären sie alle schon einige Tage vor den geplanten Hochzeitsfeierlichkeiten vom 18. bis 21. August 1572 angereist. Es stand schließlich die Hochzeit des Jahrzehnts, wenn nicht des Jahrhunderts an. Die Katholikin Katharina von Medici, immerhin Nichte eines Papstes, versuchte mit der Heirat ihrer Tochter mit dem Protestanten Heinrich von Navarra die verfeindeten Lager miteinander zu veersöhnen. Weiterlesen

Die Welt steht Kopf

Fridays for Future in Hamburg

Gerade lerne ich auf meinen Händen zu stehen. Gerade trifft es vielleicht nicht ganz. Also schon, ich übe fast jede Woche Handstand. Ich tue es nur schon seit Jahren. Es ist nämlich so, dass ich motorisch ziemlich herausgefordert bin. Neue Bewegungsabläufe lerne ich nicht mal eben so. Im Gegenteil. Die Rollwende beim Schwimmen wollte ich sage und schreibe zehn lange Jahre lang gerne können. Weiterlesen

Bastelmodus

Der Alltagsprinz ist im Bastelmodus. Dringend braucht er eine Latte vom Zaun. So ein leicht eckiges Holzdings, an dem er sein Plakat befestigen kann. Tapetenrest auf Karton. „Mind the Facts“ soll drauf stehen. Und auf der Rückseite: „Gap the Bridge“. Mir fällt nichts ähnlich Gutes ein. Vielleicht eine Botschaft auf deutsch. Es kommt mir immer so albern fröhlich herum zu d‘englischen. Also, verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Englisch ist eine feine Sache und möglichst alle sollten es sprechen. Man kann dann mit so viel mehr Menschen direkt kommunizieren. Aber wenn ich jetzt als Deutsche anderen Menschen in Deutschland was sagen will, kommt‘s mir ein bisschen doof vor, das auf englisch zu tun. Aber „Bedenke die Fakten“ hört sich eher an wie ein Krimi von Simon Becket, oder? Und um „Schulstreik“ auf ein Plakat zu schreiben bin ich ein paar Jahrzehnte zu alt. Jajaichweiß. Ich hab Sorgen. Denken Sie das bloß: Erste-Welt-Sorgen, Luxus-Sorgen – alles wahr. Wobei von Luxus kann man eigentlich nicht sprechen, wenn der Zeitraum, innerhalb dessen unsere Anpassung einigermaßen moderat ausfallen könnte, immer kürzer wird. Und die Zeit bis zum Klimastreik am Freitag auch.
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