Törnqvist

Allein wegen des Namens mag ich dieses Café. Gut, es gibt sich auch sonst alle Mühe die richtige Mischung aus Style, Schlichtheit und Hipness hinzubekommen. Warum mir hier gerade alles ins Englische abrutscht? Vielleicht kennen Sie das: Unwillkürlich übernehme ich kleine Partikel des Sprachduktus meines Gegenübers. Und im Törnqvist, hach, so mitten unter deutschen Lauten klingt dieser leicht angeschrägte Name schon schön, im Törnqvist also nennen sie einen Kaffee nicht Kaffe‘ wie in Norddeutschland üblich, auch nicht Kaffee, sondern Handbrew. Wenn’s kalter Kaffee ist Coldbrew und wenn es sich um einen Milchkaffee handelt, dann nicht wie sonst überall Cappuccino oder schanzenüblich Galao sondern Flat White, ein italienischer Espresso* ist in der Logik dann ein Shot. Ein kleines bisschen muss ich gedanklich also schon im Bild bleiben um an der Stelle nicht an einen Schnaps zu denken. Aber sowas ist für uns Hipster, die wir in so trendigen Vierteln wie der Schanze leben, die leichtest Übung.

Während ich so in der Sonne sitze, Weiterlesen

Hamburg im Mai

Hamburg im Mai - nicht wirklich, diese Blumen wachsen in der Provinz

In Hamburg ist gerade Sommer und egal, ob eingeborener oder Wahl-Hamburger, Sie wissen, was dann zu tun ist, nicht wahr? Raus, Sommer genießen, sofort. Schließlich weiß man nie, wann der Sommer aus ist für dieses Jahr.
Also sitze ich zwischen zwei Terminen immer mal wieder auf einer Parkbank herum und bin schrecklich bewusst. Dass gerade Sommer ist, die Luft nach Wärme (wir wollen mal nicht übertreiben, gefühlte Hitze ist in Norddeutschland immer noch eher Wärme), Eis- und Sonnencreme riecht. Bevor ich das alles aber tue, sitze ich frühmorgens barfuß im Schlafanzug am Schreibtisch, die Balkontür sperrangelweit offen und freue mich aktiv an den Sonnenflecken auf meinem Wohnzimmerboden. Eigentlich sollte ich arbeiten, versehentlich denke ich über das korrekte Bikinimuster (maritime Streifen, eventuell etwas Türkis oder Petrol, keinesfalls Rosa) nach oder über Sommerlektüre (Taschenbuch, irgendeine langsame Comming-of-age-Geschichte, die im örtlichen Freibad spielt, diese hier vielleicht). Weiterlesen

Pop

Morgen beginnt die Re:Publica. Danah Boyd wird einen der Eröffnungsvorträge zum Verhältnis von Algorithmen und sozialer Welt halten. Pop ist der Titel der diesjährigen Konferenz. Dieses Jahr haben die Macherinnen und Planer das Programm in verschiedene Tracks unterteilt. In Danah Boyds Track Research & Education wird es ein Meet-up zur Frage geben: Wem gehören unsere Daten? Außerdem wird es auf ihrem Track Politics & Societey etliche Veranstaltungen zu den weiblichen digitalen Fußspuren geben.
Im Track Leisure & Lifestyle wird sich Felix Schwenzel der Frage 42 widmen. Allein dass es da eine Veranstaltung gibt, die 42 heißt, macht die Re:Publica zu einem liebenswerten Ort.
Das Tollste aber ist der Festspielcharakter des Ganzen. Die besten Veranstaltungen sind die, die mir unterwegs begegnen, ohne dass ich mich explizit auf sie vorgefreut habe. Die nettesten Menschen sind die, die ich unterwegs kennen lerne, ohne es vorher schon gewollt zu haben. Zumindest war das im vergangenen Jahr so, das klappt bestimmt wieder.
Ach, ich vorfreu mich so.

Großstadtbegehung

Ich sollte das öfter tun: Spazieren gehen, einfach so durch die Gegend laufen. Ich kannte mal einen Architekten, der das als Hobby angab. Es war mehr oder weniger sein einziges Steckenpferd. Natürlich hatte er noch andere Dinge zu tun: Häuser planen, auf Baustellen den Fortgang des Baus begutachten, jeden Mittag mit seiner Frau essen gehen*, seine Kinder zum Sport, Musikunterricht und sonst was fahren, die Nachrichten schauen, Freunde einladen, solche Dinge eben. Aber als Hobby gab es Spaziergänge – sonst nichts. Er machte keinen Sport, spielte keine Instrument, las keine dicken Romane, er ging spazieren.

Pierre jedenfalls fiel mir heute Morgen ein, Weiterlesen

Musik liegt in der Luft

Am Wochenende war ich auf einer Geburtstags-Party. Die Gastgeber spielen verschiedene Instrumente, Flöten, Geige, ein bisschen Klavier und verschiedene Percussion Instrumente. Wir Gäste waren gebeten worden, etwas zu essen oder ein Instrument mitzubringen. Etliche Gäste waren das Procedere gewöhnt und so fand sich ausreichend und ausreichend verschiedenes Essen – von Sushi-Happen über Dipps, Salate bis zu Brot und Kuchen. Vor allem aber waren Geigen, Flöten, Gitarren und ein Cello mitgebracht worden. Selbst ein Klavier hatten die Gastgeber an die Wand gestellt. Immer mal wieder fanden sich Gruppen zusammen, die mal etwas holprig, weil sich nicht so recht über das Tempo oder die Tonart geeinigt worden war, mal schwungvoll, mal leise zart, mal fröhlich laut in Musik ausbrachen. Weiterlesen

Die Mögerei zum Wochenbeginn

oder: Dauerlauf. Die Sonne taucht die Welt in ein freundliches Hellblau. Und ich kann nicht anders, fast sofort fange ich an Pläne zu schmieden. Eine Bootstour, nein doch lieber eine Fahrradtour. Vor meinem inneren Auge spulen Bilder von entspanntem Radeln am Elbdeich, einer rotweiß-karierten Picknickdecke, Pausen in bezaubernden kleinen Landgaststätten, die trotzdem ganz tollen Cappuccino mit fluffigem Milchschaum und leckerem Espresso servieren. (In meinem Kopf sind ausdrücklich keine Mückenschwärme oder Cappuccino aus der Tüte und nach Gülle riecht es auch nirgendwo.) Für so einen Ausflug braucht es nun aber mindestens ein Wochenende, besser ein verlängertes Wochenende. Bis dahin könnte ich auch einfach mal wieder joggen gehen. Weiterlesen

Frühling lässt sein blaues Band

Seit gerade erst liegt der Frühling in der Luft. So schön. Ich müsste spazieren gehen, Blumen begucken, Frühlingsluft atmen. Stattdessen liege ich etwas angeschlagen auf dem Sofa und flattere von einem Gartenblog zum nächsten. Dabei staut sich auf meinem Schreibtisch gerade alles, ein neues Projekt schluckt staubsaugermäßig meine Zeit und alle die anderen beruflichen Dinge, die ja auch mal gemacht werden müssen, liegen so halbfertig herum. Es ist … zum Mäusemelken. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja richtig, Frühling, blaues Band: Weiterlesen