Heimwehküche

Essen kann mich innerhalb von Sekunden in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort beamen. Gerüche funktionieren manchmal auch so. Ich esse etwas oder ein ganz bestimmter Geruch fliegt an meiner Nase vorbei und zack bin ich im Jahr 1982. Meine Oma jagt ein verirrtes Huhn aus ihrer Küche und schneidet warmen duftenden Deeschert auf, so dass die dicke Kruste kracht. Es ist nicht mal so, dass ich als Kind dieses Kartoffelbrot meiner Oma aus dem Rheinland besonders gerne gegessen hätte. Ich fand, dass es gar nicht wie normales Brot schmeckte und das war damals ein ausreichender Grund für verhaltene Begeisterung.

Deeschert

Seit dem Tod meiner Oma, Anfang der 90er Jahre, habe ich kein Kartoffelbrot mehr gegessen. Aber dann haben meine Cousine Anna und ich einen Weg gefunden uns backend zu erinnern. Man braucht ein wenig Zeit, mehr Zeit, als ich normalerweise mit Kochen und Backen verbringe. Aber dann ist es eigentlich ganz einfach. Und zwar so:

Kartoffelbrot backen

Man braucht:
1 – 1,3 Kilogramm Kartoffeln
1 Paket Hefe
1 Kilogramm Mehl
2 – 3 Teelöffel Salz

Plus Zeit. Mehr Zeit als sonst.

Ein Drittel der Kartoffeln haben wir nach dem Schälen gekocht, die anderen beiden Drittel roh gerieben, den Kartoffelsaft haben wir abgegossen und die Hefe darin aufgelöst.
Dann haben wir alle Kartoffeln miteinander vermischt, 2 TL Salz dazu, plus rund 300 Gramm Mehl, plus Hefe.
Anschließend haben wir einen Topf mit Wasser aufgesetzt. Nachdem das gekocht hatte, haben wir die Herdplatte ausgestellt, unseren frischen Teig oben auf den warm dampfenden Topf Wasser gestellt und den Teig etwa eine halbe Stunde gehen lassen. Bis er oben am Schüsselrand angekommen war.
Dann haben wir Mehl auf Arbeitsplatte verteilt und den Teig mit etwa 600 Gramm Mehl verknetet. (Ja nach Kartoffelmenge muss man ein wenig herum probieren, wieviel Mehr man braucht um einen klebrig-sämigen Teig zu bekommen.)

Unsere Kastenformen (die Mengenangaben reichen für zwei kleine oder eine große Kastenform) haben wir mit Butter ausgestrichen, Paniermehl hinein gestreut und dann unseren Teig hineingefüllt, so dass jede Kastenform etwa zur Hälfte voll war.

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Anschließend haben wir die Topf-mit-heißem-Wasser-Prozedur wiederholt und den Teig ein zweites Mahl gehen lassen. Wieder so lange bis er oben angekommen war.
Zum Schluss kommen die Brote in den Ofen, erst eine halbe Stunde bei 250 Grad, dann noch einmal eine Stunde bei 200 Grad.
Das noch warme Brot schmeckt am besten, finden wir. Einfach Butter und Salz drauf und … in Erinnerungen schwelgen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Deeschert, aha. Ein bisschen komisch hört sich das für mich ja an, aber wenn es denn so heißt, dann ändere ich das mal.

  2. Liebe Ulrike,
    deine Oma hat den Deeschert noch ein wenig spezieller gebacken: Man nehme 13 mittelgroße Kartoffeln, zwei Drittel davon werden gerieben, das restliche Drittel gekocht und gestampft. Wie sie das mathematisch gelöst hat, ist mir heute noch ein Rätsel.
    Liebe Grüße
    Marianne

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