Dienstag und die Ergebnisse vom vergangenen Sonntag

Manchmal muss ich die Dinge einen Augenblick sacken lassen. Deshalb gibt es diese Woche kein Montagmorgen-Mögen sondern einen Ausblick zum Dienstag. Das Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag hat mich doch zu sehr geschockt.

Seitdem habe ich wie so viele Andere auch nachgedacht, wie wir damit nun leben sollen. Eine erste Antwort scheint mir zu sein, die Demokratie (wieder) ernst zu nehmen und im übrigen nur sie. Menschen, die sich nicht an die Spielregeln der Demokratie halten, die zum Beispiel lügen oder hetzen, die sollten wir nicht ernst nehmen. Jedenfalls nicht so, dass wir jeder Behauptung, Provokation oder bewussten Täuschung* breiten Raum in unserer öffentlichen Wahrnehmung einräumen.

Wir können viel besser anderen Dingen mehr Raum in unserem Leben geben. Zum Beispiel den vielen guten Initiativen für mehr Demokratie.

Heime ohne Hass

Heime ohne Hass setzt sich dafür ein, dass Demonstrationen nicht direkt vor den Häusern von Betroffenen stattfinden können. Also keine Demonstration gegen geflüchtete Menschen vor den Wohnheimen, in denen sie leben. Fair und ohne Ansehen der Person verfolgt die Initiative ihre Ziele, so setzt sie sich auch für den Schutz des privaten Hauses eines gewissen Gesamtschullehrer aus Nordhessen ein, der seinen Dienst derzeit ruhen lässt.

Fearless Democracy

„Unsicherheit, Wut und Hass wird heute im Netz gezielt produziert. Wir helfen der Öffentlichkeit dabei, zu verstehen, wie das gemacht wird.“ schreiben die Macher über Fearless Democracy. Zweitens unterstützt die Initiative Menschen, die von Hate Kampagnen betroffen sind. Drittens berät und stärkt sie staatliche Institutionen und Journalisten.

Schmalbart

Die Initiative Schmalbart geht es um Versachlichung und Klärung von Debatten im Netz. Allzu oft schaukeln sich die Emotionen hoch um Informationen, die entweder schlicht falsch (wie zum Beispiel falsche Zahlen zur Kriminalität von Ausländern in Deutschland), aus dem Zusammenhang gerissen sind (zum Beispiel Bilder auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken ohne Quellenangabe) oder sich zu Scheinriesen aufblähen (ein krimineller Übergriff, der von den Behörden verfolgt werden muss, scheint durch tausendfaches teilen wie ein ganzer Trend). Medienangebote und schwierige Themen will die Initiative kritisch begleiten. Schmalbart möchte Strategien und Online-Produkte wie etwa eine Faktendatenbank oder eine Visualisierung vom Kommunikationsströme zu bestimmten Themen in den sozialen Medien anbieten. So gegen Rechtspopulismus kämpfen.

All diese Initiativen scheinen mir im Übrigen ein ganz guter Weg zu sein, diejenigen Wähler vom vergangenen Sonntag ernst zu nehmen, die sich ernsthaft Sorgen um unser Land machen, die Angst vor manchen Entwicklungen haben und die sich für sich und ihre Kinder eine gute Zukunft wünschen.**

  • * Oder wie nennen Sie die Tatsache, dass eine Politikerin gerade so lange wartet, bis sie ihr Wählermandat sicher hat, um dann aus der Fraktion auszuscheren, in die sie ihre Wähler gewählt hatten. Zumindest glaubten ihre Wähler, sie gäben ihre Stimme einer Kandidatin der Partei und nicht einer fraktionslosen, demnächst wohl auch parteilosen Politikerin.
    ** Nur haben Lügen, Täuschungen und verdrehte Tatsachen damit nichts zu tun.
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