Regenlieder

Mathilde mag den Hafen auch auf der anderen Seite – Baukräne im Dienst des Elbjazz-Festivals

Es fing nicht gut an mit mir und dem Elbjazz. Dabei liebe mag ich Festivals. – Die Stimmung, die Leute, die Musik. Und dann auch noch das Elbjazz! Rebekka Bakken, Echoes of Swing, Dianne Reeves, Gregory Porter – es waren eine Menge tolle Leute angekündigt. Nicht, dass ich mich wirklich gut im modernen Jazz auskenne. Aber ich höre gerne andere Klangwelten Wenn ich die Wahl habe zwischen überbekannten Radiohits und Klängen, auf die ich alleine nie im Leben gekommen wäre, dann erlebe ich lieber letzteres. Besonders Rebekka Bakken wollte ich gerne hören. Ihre wunderbare samtweich gelassene Stimme begleitet mich öfter beim Fahrradfahren. Gregory Porter hatte ich im letzten Jahr verpasst, weil ich wegen des Regens die meiste Zeit auf der städtischen Seite der Elbe geblieben war und lieber Konzerte in St. Katharinen und in der Altonaer Fischauktionshalle gehört hatte. Aber dieses Jahr sollte es rüber zum Werksgelände von Blohm und Voss gehen. Dazu später mehr.
Erstmal fing es, sagen wir, schwierig an.

Mathilde mag den Hamburger Hafen

Ich war sehr spät dran, als ich mich auf ein Mietfahrrad schwang und außerdem regnete es ganze Katzen und Hunde. Also habe ich die Kapuze extra tief in die Stirn gezogen, meine Tasche mit den Expandern auf dem Gepäckträgern festgezurrt und bin los gestrampelt, was das Zeugs hielt. Auf dem Kopfsteinpflaster rappelte das Rad besonders laut und auch als ich ein Plopp gehört habe, habe ich mir nichts dabei gedacht, sondern bloß kräftiger in die Pedale getreten. Schließlich wollte heute noch ankommen und bitte nicht klatschnass.“

Blöderweise war an der nächsten Ampel meine Tasche nicht mehr da, wo sie sein sollte. Herzrasen, tief durchatmen, umdrehen und noch ein bisschen schneller zurück strampeln. An der Plopp-Stelle lag die Tasche nicht mehr. Also habe ich angefangen, die Leute am Straßenrand zu fragen, ob sie eine Tasche gesehen , sie vielleicht sogar in Sicherheit gebracht haben. Hatte keiner. Auch nicht in den umliegenden Läden. Zum Glück hatte ich mein Telefon noch und konnte meine Bankkarten sperren. Dann bin ich zur nächsten Polizeidienststelle gefahren und habe den Verlust gemeldet, habe meine Nachbarn angerufen, damit sie mich in meine Wohnung lassen konnten. Habe in weiteren Läden nach meiner Tasche gefragt, überwiegend halb belustigte, halb belehrende Kommentare („Wir sind hier auf der Schanze, Kindchen!“) bekommen, mich immer mal wieder aufgeregt und mich schließlich mit der neu ausgedruckten Elbjazz-Karte wieder auf den Weg zum Festival gemacht.

Eh schon alles egal! Sollten mich halt meine Freunde den Abend durchfüttern. Ich war schon auf halber Strecke, als mich die Polizei anrief. Meine Tasche sei gerade abgegeben worden. Theoretisch könne ich sie sofort abholen kommen. Theoretisch? Nein ganz praktisch, habe ich das sofort gemacht. Und musste feststellen, dass …. noch alles, wirklich alles drin war. Unglaublich, nicht wahr? Verena vom Optiker an der Ecke hat mir den Abend gerettet. Nein, besser noch, sie hat mir einen wunderbaren Abend geschenkt.

Den Rest des Abends hatte ich nämlich unfassbar gute Laune, fand alle Künstler von Nir Felder, Hugh Masekela, Rebekka Bakken, Dianne Reeves rundum toll. Und Gregory Porter? Naja, den habe ich am nächsten Abend wieder verpasst. Ein Regenschauer mit Windböen, so dass erst sein Konzert um eine Stunde verschoben wurde und wir dann so nass geregnet wurden, dass wir keine Lust mehr hatten. Wir sind dann lieber ins Warme ein Bier trinken gegangen. Gergory muss einfach noch mal wieder kommen, wenn das was mit uns werden soll.

Aber nächstes Jahr gibt es das Elbjazz ja wieder. Hingehen unbedingt hingehen, ihr müsst auch nicht unbedingt vorher die Tasche verlieren. Auch mit eigener Tasche macht das Elbjazz Spaß.

Mathilde mag den Himmel über Hamburg

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